Zum Hauptinhalt springen Zum Seitenende springen
| KIDiHa

Zwischen Ziegel und Zukunft. Ein Dachdecker über die Potenziale von Drohnen und Digitalisierung.

Leon Stitzinger ist mit Leidenschaft Dachdecker. Mit 24 Jahren hat er eine Ausbildung abgeschlossen und berufsbegleitend das triale Studium Handwerksmanagement an der Fachhochschule des Mittelstands absolviert. Damit hat er den Meisterbrief und einen Bachelorabschluss in nur wenigen Jahren in der Tasche. Für ihn steht seine handwerkliche Tätigkeit ganz klar im Mittelpunkt. In seiner Bachelorarbeit hat er sich mit dem Thema Technologisierung im Handwerk auseinandergesetzt. Für ihn keinesfalls ein Widerspruch.

Foto: Leon Stitzinger

In seiner Befragung unter 44 Unternehmen aus dem Dachdeckerhandwerk aus ganz Deutschland untersuchte Leon Stitzinger, ob und wie die Betriebe Drohnen einsetzen und ob die Nutzung ihre Arbeit effizienter gestaltet. Ein Ergebnis: 77 Prozent der befragten Betriebe setzen Drohnen bereits ein, insbesondere größere Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitenden. Drei Viertel der Betriebe nutzen Drohnen mit Fotofunktion, knapp ein Drittel mit 3D-Vermessungssoftware und elf mit Wärmebildkameras. 

Im Interview berichtet Leon Stitzinger nicht nur über die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit, sondern auch darüber, wie er sich seine Zukunft als Handwerker in einer digitalisierten Welt vorstellt. 

Wenn ich an meine Ausbildung zurückdenke, dann hat diese mir vor allem in Hinblick auf Unsicherheiten gezeigt, dass sich am Ende immer ein passender Weg zeigt. Sei es auf dem Dach an komplizierten Stellen, wo man zunächst noch keine Vorstellung zur Detaillösung hat, oder auch im Studium, bspw. vor wichtigen Prüfungen. 

-Leon Stitzinger

Wie bist du auf das Thema „Drohneneinsatz im Dachdeckerhandwerk“ gekommen? 

Die Implementation von Technik im Handwerk ist ein Thema, das mich auch vorher schon oft beschäftigt hat. In meinem Ausbildungsbetrieb kamen dann erste Berührungspunkte mit Drohnen und durch einen kleinen Anstoß meines Dozenten bin ich schließlich auf dieses Thema gekommen. 

Wie bist du bei der Fragestellung vorgegangen?

Zunächst wollte ich eine theoretische Basis schaffen. Also aufzeigen, wofür Drohnen generell eingesetzt werden können, welche Modelle es gibt, auf welche gesetzlichen Regelungen evtl. geachtet werden muss, etc. Der zweite Teil zur Bearbeitung der Fragestellung sollte die Meinungen derjenigen einholen, die tagtäglich mit Drohnen im Dachdeckerhandwerk arbeiten. Daher habe ich eine bundesweite Umfrage, adressiert an Unternehmer*innen des Dachhandwerks, durchgeführt. Auf diesen zwei Säulen habe ich schließlich meine Handlungsempfehlungen aufgebaut. 

Bist du dabei auf Probleme gestoßen?

Ich musste bei der Literaturrecherche leider schnell feststellen, dass die Drohnennutzung im Dachhandwerk noch recht unerforscht ist. Dadurch musste ich den Fokus vor allem auf die empirische Forschung innerhalb der Bachelorarbeit setzen. 

Zu welchem Ergebnis bist du gekommen?

Meine Forschung hat gezeigt, dass Drohnen sehr effizient in einzelnen Teilbereichen des Dachdeckerhandwerks eingesetzt werden können, z.B. zum Erstellen von Aufmaßen aus der Luft und der Angebotserstellung auf Basis dieser gewonnen Daten. Daher kann auf jeden Fall eine Empfehlung zur Nutzung dieser Technologie ausgesprochen werden. Im Vorfeld sollten Unternehmer*innen sich jedoch genaue Gedanken zur geplanten Umsetzung einer Drohnennutzung machen, um eine nachhaltige und effiziente Investition sicherzustellen.

Welche Chancen liegen deiner Einschätzung nach in digitalen Tools wie Drohnen, KI oder smarter Software im Handwerk?

Ich sehe große Potentiale bei der Anwendung von digitalen Tools im Handwerk. Nicht nur können Arbeitsabläufe und Prozesse optimiert und effizienter gestaltet werden. Auch in Hinblick auf die Arbeitnehmer*innen bietet digitale Technik die Möglichkeit, schonendere und sicherere Arbeitsplätze bereitstellen zu können.

Wo steht deiner Meinung nach das Handwerk aktuell in Sachen Digitalisierung bzw. KI?

Um Digitalisierung wird man im Handwerk nicht mehr drum herumkommen. Wahrscheinlich sind die meisten Betriebe auch mehr oder weniger gut aufgestellt in diesem Bereich. Da es allerdings an jedem einzelnen Unternehmenden liegt, inwieweit digitale Technik eingesetzt wird, gibt es vermutlich immer noch einige, die in der Digitalisierung hinten anstehen. Hierbei könnten die Verbände und Handwerkskammern durch bspw. Schulungsangebote für eine flächendeckendere Informationsgrundlage sorgen.

Wie stellst du dir deine ideale Arbeit in Zukunft vor? Welche Tools würdest du gerne nutzen und warum?

Als leidenschaftlicher Handwerker möchte ich die Zeit, die ich nicht mit meinem Werkzeug verbringen kann, so gering wie möglich halten. Daher würde ich vor allem Tools nutzen, die mir in der Organisation und Planung meiner Aufgaben eine Zeitersparnis bringen. Unter anderem wären Drohnen dabei wegweisende Tools, wenn es darum geht, die Arbeit so zeit-effizient wie möglich zu gestalten. 

Alle News