Künstliche Intelligenz im Handwerk: Potenzial und Praxis
Wie weit ist Künstliche Intelligenz im Handwerk und was braucht es, damit sie im Betriebsalltag wirklich ankommt? Diese und weitere Fragen beantwortete Prof. Dr. Klaus Schafmeister, wissenschaftlicher Leiter des Projekts KIDiHa an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM), im Interview mit Moderatorin Louisa Schmidt im WDR 5 Wirtschaftsmagazin.
Kleine Betriebe, große Herausforderungen
Klaus Schafmeister machte deutlich, dass ein zentrales Thema bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz die Struktur des Handwerks selbst sei. Denn „rund 80 % aller Handwerksunternehmen haben weniger als 20 Mitarbeitende“. In solchen Betrieben fehle im Alltag häufig die Zeit, sich intensiv mit neuen Technologien auseinanderzusetzen, ganz zu schweigen von Ressourcen für eigene Entwicklungsarbeit oder strategische Digitalisierungsprojekte.
Genau hier zeige sich, wie wichtig Unterstützungsstrukturen sind. Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, Handwerksorganisationen und Technologieanbietern könnten entscheidend sein, um Ideen aus dem Betrieb in konkrete, praxistaugliche Anwendungen zu überführen. „Ohne diese Netzwerke bleibt das Potenzial von KI für viele Betriebe oft ungenutzt“, so Schafmeister.
KI im Handwerk: Kleine Anwendungen, großer Nutzen
Dabei müssten es nicht gleich die große, komplexe Lösung sein. Schon heute könne KI mit überschaubaren, alltagstauglichen Anwendungen einen spürbaren Mehrwert bieten, etwa bei der Texterstellung, der Terminplanung, der Zeiterfassung, der Kundenkommunikation oder der Auswertung digitaler Kassendaten.
„Die Individualität und Kreativität des Handwerks wird nicht durch KI ersetzt, aber Routinearbeiten können stark entlastet werden.“
Gerade diese Entlastung könne wertvolle Zeit freisetzen für Kunden, für das Kerngeschäft und für die Weiterentwicklung des Betriebs.
Der oft unterschätzte Faktor: Daten
Ein weiteres zentrales Thema sei der Umgang mit Daten. In vielen Handwerksbetrieben schlummert ein echter Datenschatz, der bislang kaum genutzt wird. Gründe dafür sind häufig:
- Daten liegen an unterschiedlichen Orten,
- es gibt Medienbrüche,
- Schnittstellen fehlen oder
- digitale Prozesse sind nicht durchgängig etabliert.
Dabei seien digitale Daten die Grundlage für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Erst wenn Daten strukturiert, zugänglich und miteinander verknüpft sind, könne KI ihr Potenzial entfalten.
Offenheit als Schlüssel zum Erfolg
Für eine erfolgreiche Einführung von KI im Handwerk brauche es daher vor allem eines: Offenheit. Offenheit gegenüber neuen Technologien, aber auch die Bereitschaft, erste Schritte zu wagen, zu testen und aus Erfahrungen zu lernen.
KI muss nicht perfekt starten, sie darf wachsen. Wer sich heute mit kleinen Anwendungen beschäftigt, schafft die Grundlage dafür, morgen möglicherweise größere Potenziale zu nutzen.
Hier gibt es das gesamte Interview zum Nachhören.