Digitale Raumvermessung im Praxistest
Wie können Aufmaß, Baudokumentation und Abrechnung auf Baustellen effizienter und transparenter gestaltet werden? Dieser Frage gehen wir im Projekt KIDiHa gemeinsam mit dem Stuckateurbetrieb Vorwerk nach. Im aktuellen Use Case testete Sascha Heymann vom Fraunhofer-Institut in Lemgo digitale Verfahren zur praxisnahen Erfassung von Baustellen auf einer echten Baustelle in Osnabrück.
Vom 360°-Bild zum 3D-Modell
In dem Praxistest sollte insbesondere geprüft werden, ob sich verputzte Flächen, verbaute Unterkonstruktionen, verlegte Leitungen oder allgemein ausgeführte Arbeiten schneller, genauer und nachvollziehbarer dokumentieren lassen. Ziel ist eine möglichst zentimetergenaue Erfassung von Flächen, Längen und Bauteilen, die für Kundendokumentation, interne Nachweise und Abrechnungsprozesse genutzt werden kann. Neben der bereits im Betrieb Vorwerk eingesetzten 360 Grad Kamera kam in Osnabrück nun die Matterport Plattform mit integrierter LiDAR beziehungsweise Lasermesstechnik zum Einsatz. Aus den erfassten Daten entstand ein begehbares digitales 3D Modell der Baustelle, in dem sich Maße erfassen, Flächen berechnen und zusätzliche Informationen direkt verknüpfen lassen. Besonders spannend: Durch wiederholte Scans entsteht eine fortlaufende digitale Baudokumentation, die den Baufortschritt transparent und nachvollziehbar macht.
Praxischeck in Osnabrück
Der Test in Osnabrück zeigte das Potenzial: Innerhalb von rund zwei Stunden wurden etwa 50 Aufnahmen über mehrere Ebenen hinweg erstellt. Die Erfassung war schnell, das Ergebnis anschaulich und vielseitig nutzbar, beispielsweise auch für Fassadenmessungen oder die Planung von Materialmengen.
Das Zwischenfazit fällt positiv aus. Der Prozess unterscheidet sich für den Betrieb nicht grundlegend vom bisherigen Vorgehen mit 360-Grad-Aufnahmen, bietet aber durch die bessere Kamera, die zusätzliche Messtechnik und die benutzerfreundliche Plattform deutlich mehr Möglichkeiten. Die Dokumentation wird einfacher, strukturierter und nachvollziehbarer.
Nächste Schritte
Als nächster Schritt wäre sinnvoll, das Modell anhand konkreter Abrechnungs- und Dokumentationsfälle auszuwerten: Welche Maße und Flächen werden tatsächlich benötigt? Wie gut lassen sie sich im Modell erfassen? Wo spart das Verfahren Zeit? Und welche Informationen müssten zusätzlich dokumentiert werden, damit es im Arbeitsalltag wirklich einen Mehrwert liefert?
Klar ist schon jetzt, dass digitale Lösungen wie diese das Handwerk nachhaltig unterstützen können. Wir sind sehr gespannt auf weitere Ergebnisse aus diesem Use Case!