Austausch auf Augenhöhe: KIDiHa‑Betriebe zu Besuch in der SmartFactoryOWL
Kann der Bäcker vom Tischler profitieren? Oder der Steinmetz vom Stuckateur? Beim Austausch der KIDiHa-Use Cases in der SmartFactoryOWL in Lemgo haben unsere Partnerbetriebe die Projekte der Anderen kennengelernt, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen.
Das Projekt KIDiHa verfolgt einen ganz praktischen Ansatz: Handwerksbetriebe arbeiten eng mit Wissenschaft und Forschung zusammen, um konkrete Problemstellungen aus ihrem Arbeitsalltag anzugehen – von ersten Digitalisierungsschritten bis hin zu KI‑basierten Anwendungen. Projektpartner sind die Fachhochschule des Mittelstands (FHM), das Fraunhofer-Institut in Lemgo und die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe.
Gemeinsam Herausforderungen angehen
Beim Besuch in Lemgo stand der Austausch zwischen den Betrieben Bildhauerei Diwo, Tischlerei Gerdesmeier, Restaurateur Kramp & Kramp sowie der Bäckerei Biere und dem Stuckateur Vorwerk im Mittelpunkt. Bei einem gemeinsamen Rundgang durch die SmartFactoryOWL erhielten alle Teilnehmenden Einblicke in die Use Cases der anderen Partner. Für viele war es überraschend zu sehen, wie unterschiedlich die Herausforderungen sind und welche Lösungen erarbeitet wurden. Gleichzeitig tauchen unabhängig von Betrieb und Gewerk in Sachen Digitalisierung und KI ähnliche Fragen auf.
Sowohl für die Handwerker als auch die Wissenschaftler ist die enge Kooperation im Projekt zwischen Praxis und Theorie ein Novum. Im Kurzinterview schildert Steinmetzmeister Michael Diwo, mit dem die KI-Anwendung „StoneCrackMon“ entwickelt wurde, seine bisherigen Eindrücke.
„Die Zusammenarbeit ist sehr angenehm – und auf Augenhöhe.“
Für Diwo ist KIDiHa das erste Forschungsprojekt dieser Art. Die Begegnung zwischen Wissenschaft und Handwerk empfindet er als respektvoll und wertschätzend: „Meine Anmerkungen werden ernst genommen. Die Zusammenarbeit ist angenehm und auf Augenhöhe.“ Er betont, wie herausfordernd es ist, jahrzehntelang aufgebautes Erfahrungswissen in klare, objektive Strukturen zu bringen. Doch gerade hier liege der große Mehrwert der Zusammenarbeit: „Gelingt die strukturierte Verschriftlichung, ist das ein Gewinn für beide Seiten.“
Noch treffen die beiden Welten Wissenschaft und Handwerk selten aufeinander. Warum das so ist, dazu hat Michael Diwo eine klare Meinung: „‚Praktische‘ Intelligenz hat einen geringeren Stellenwert in unserer Gesellschaft. Wer sich nicht in den Codes der Akademiker ausdrücken kann, wird unbewusst als irrelevant erachtet.“
Gerade deswegen sieht er das Projekt als wichtiges Beispiel dafür, wie produktiv gemeinsame Wege sein können. Vor Kurzem hat das System StoneCrackMon sogar einen Preis gewonnen, für Diwo eine Motivation für andere Betriebe: „Der Erfolg hilft allen. Die Anerkennung ist ein Fundament dafür, wahrgenommen zu werden.“
Für die Zukunft hat er konkrete Visionen:
- Funktionierender Demonstrator als Basis
- Skalierung des Ansatzes auf große Unternehmen und Institutionen
- taktile Erprobung mit Drohnen
- Nutzung per Smartphone
- Anwendung in der Betonprüfung
Keine unrealistischen Visionen, das zeigen verschiedene, bereits vorhandene Interessenten. Das Potenzial ist also da. Doch um die Innovation voranzutreiben, sind weitere Schritte nötig: „KIDiHa ist ein Vorbild. Weitere Projekte müssen folgen. Das ist eine nachhaltige Investition in unsere Zukunft als rohstoffarmes Land.“
Die Rückmeldungen der Betriebe bei dem Treffen waren eindeutig: Die Zusammenkunft hat alle bereichert. Viele nahmen konkrete Impulse mit, lieferten gleichzeitig Ideen für andere und erlebten einmal mehr, wie wertvoll der Austausch von Praxis und Theorie sein kann.
Prof. Dr. Klaus Schafmeister (FHM), Tobias Böke (Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe), Steinmetz Michael Diwo, Stefanie Hittmeyer, Carmine Politano, Nissrin Heymann (alle drei Fraunhofer IOSB-INA), Yannic Stangier (Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe), Tischlermeister Mathhias Gerdesmeier, Projektleiter Lukas Fuchs (Kramp & Kramp) sowie Sascha Heymann (Fraunhofer IOSB-INA) in der SmartFactoryOWL in Lemgo. (C) Fraunhofer IOSB-INA
(C) Fraunhofer IOSB-INA
(C) Fraunhofer IOSB-INA
(C) Fraunhofer IOSB-INA
(C) Fraunhofer IOSB-INA